Prolog
Die Königin
Die Königin hatte nie gelernt, wie man kämpft. Sie hatte auch nie gelernt, wie man vor Gefahren flieht. Was sie wirklich beherrschte, war es, niemals Angst zu zeigen oder vor ihrem Gegner niederzuknien. Schwäche wurde unter ihresgleichen nicht toleriert.
Seit ihrer Kindheit hatte ihre Mutter ihr immer beigebracht, zu reagieren – stark und mutig zu sein und sich niemals Angst von den Gefahren einschüchtern zu lassen, die vor ihr lagen.
Doch dieses Mal rannte sie.
Nicht, weil sie Angst hatte, sondern um das zu beschützen, was ihr lieb und teuer war.
Seit sie die Sicherheit der Mauern verlassen hatte, die sie so viele Jahre vor den Blicken Außenstehender geschützt hatten, begann sie sich zu fragen, ob sie wirklich gelebt und ihr Leben genug genossen hatte.
Eine Mischung aus Reue und Groll stiegen ihr die Kehle hinauf. Ein eiskalter Schauer lief ihr über den Rücken.
In ihrem Kopf hallten Schreie durch die Palastmauern. Krampfhaft hielt sie die Tränen zurück. Tränen bedeuteten Schwäche und Schwäche machte sie verwundbar.
Das konnte sie nicht zulassen.
Sie würde erst um die verlorenen Seelen trauern, wenn sie dem Tod entkommen war.
Hinter ihr loderte ein Feuer. Der Geruch von verbrannter Eiche stieg ihr in die Nase und hinterließ ein schweres Gefühl in ihrem Magen. Panik schlug ihr bis zum Hals. Die Flammen färbten den Himmel tiefrot – verdeckten die Sicht auf die Sterne, die einst die Träume ihrer Vorfahren beherbergt hatten. Bitterkeit kroch ihr die Kehle hinauf und schmeckte wie Asche auf ihrer Zunge.
Seit einer halben Stunde rannte die Königin so schnell wie noch nie zuvor in ihrem Leben. Ihre Wangen waren gerötet, ihr Atem ging schnell und unregelmäßig, während ihr langes mitternachtsblaues Kleid über dem Boden schleifte. In ihren Armen schlief ein Baby, als würde die Welt nicht vor dem Abgrund stehen.
Es war ein Wunder, dass die Königin aus dem Palast entkommen konnte, bevor er bis auf die Grundmauern niedergebrannt war. Die Erinnerungen an die letzten zwei Stunden verfolgten sie.
Tränen stiegen ihr erneut in die Augen. Sie schluckte schwer, um diese zurückzuhalten. Das Einzige, was zählte, war das schlafende Kind in ihren Armen.
Sie musste sich beeilen.
Die Königin streifte ihre Schuhe ab und rannte auf den Wald zu.
Vor ihr ragten hohe Bäume empor – eine unüberwindbare Mauer der Natur, die sich bedrohlich gegen den dunklen Himmel türmte. Weiches Gras streichelte ihre Füße. Die Anziehungskraft des Waldes schien sie immer tiefer hineinzuziehen. Ihre Lunge brannte, als sie endlich den Eingang zum Wald erreichte.
Erleichtert atmete sie aus. Sie schmiegte das Kind in ihren Armen fester an ihre Brust und legte den Kopf in den Nacken. Wieder schaute sie zu den hohen, alten Eichen hinauf. Sie schloss die Augen und lauschte dem leisen Rascheln der Blätter im Wind.
Es war Jahre her, seit sie das letzte Mal hier gestanden hatte, an dem Ort, den sie einst ihr Zuhause nannte. Damals hatte sie genau an dieser Stelle gestanden und alles zurückgelassen – ihre Vergangenheit, ihr Zuhause und sogar die Person, die sie hätte werden sollen.
Sie blickte auf das kleine Kind in ihren Armen und betete, dass dieses Mädchen eines Tages hier denselben Frieden finden würde, den sie einst selbst hier entdeckt hatte.
Das plötzliche Knacken eines brechenden Astes riss sie aus ihren Gedanken. Sie machte einen Schritt zurück, ihr Körper spannte sich merklich an. Ihr Puls beschleunigte sich, als sie ihre Ohren spitzte und nach der Quelle des Geräusches suchte.
Ein weiteres Knacken. Nah und bedrohlich.
Sie atmete langsam aus und machte sich bereit, zu fliehen. Dann tauchte plötzlich zwischen den Bäumen eine große, dunkle Gestalt auf. Die Königin kniff die Augen zusammen und richtete ihren Blick auf den sich nähernden Fremden.
„Wer ist da?“, fragte die Königin mit kontrollierter Stimme, obwohl in ihrem Inneren ein Sturm tobte, den sie zu bewältigen versuchte.
„Ich bin es“, hallte eine dunkle, tiefe Stimme zwischen den Bäumen wider. „Ich habe auf dich gewartet. Warum hast du so lange gebraucht?“
Die Königin spannte sich unwillkürlich an, doch entspannte nach einem kurzen Moment wieder, als sie die Stimme erkannte.
„Bei der Göttin des Waldes, du hast mich erschreckt!“, mahnte sie und trat zwei Schritte vor.
Die dunkle Gestalt spiegelte ihre Bewegung wider. Mondlicht fiel auf sie hinab und ließ das dunkelbraune Haar schimmern.
Ein Mann trat zwischen den Gebüschen hervor. Sein Blick wanderte über das Gesicht der Königin. Langes Haar fiel ihm über die Schultern und zwei dicke Zöpfe waren hinter seinen spitzen Ohren geflochten. Er trug eine schwarze Lederhose und eine schlichte grüne Tunika. Sein äußeres Erscheinungsbild war so gepflegt, dass man nicht daran denken würde, dass der Mann wenige Minuten zuvor aus dem Wald gekommen war.
Er verschränkte seine muskulösen Unterarme vor der Brust und beobachtete die Königin aufmerksam mit seinen bernsteinfarbenen Augen. Ein Langschwert mit schwarzem Griff war an seinem Rücken befestigt – die silberne Klinge glänzte gefährlich im Mondlicht.
„Nun, ich warte. Warum hast du mich hierher gerufen?“
Die Königin presste die Lippen zusammen. „Es ist lange her.“
„Eine verdammt lange Zeit. Aber halte mich nicht für einen Narren. Ich weiß, dass du etwas brauchst. Spar dir das Geschwätz und sag mir, was du willst, dann kann ich mich auf den Weg machen“, knurrte er, ein scharfer Unterton schwang in seiner Stimme mit, die ihr das Blut in den Adern gefrieren ließ.
Die Königin senkte den Blick auf das Baby in ihren Armen. „Nimm sie.“
„Was?“ Der Mann runzelte die Stirn.
„Nimm sie mit in den Wald. Beschütze sie. Ich bin nicht dazu in der Lage.“
Er sah sie aufmerksam an. Verwirrung verzerrte seine Gesichtszüge.
„Das kann nicht dein Ernst sein. Du weißt genau, worauf du dich eingelassen hast, als du deinem Volk den Rücken gekehrt hast“, protestierte er. Missbilligend schüttelte er den Kopf. Dann wanderte sein Blick langsam zu dem Feuer, das in der Ferne wütete.
Er biss die Zähne zusammen, ein Muskel in seinem Kiefer zuckte. „Was ist passiert?“
Sie drehte sich um und sah zurück. Ihr Atem ging stoßweise, die Angst drohte, sie von innen heraus zu zerreißen. Eine Mischung aus Angst und purer Resignation lähmte sie.
„Ich weiß, aber ...“ Sie holte tief Luft, wandte sich erneut dem Mann zu. „Bitte, beschütze sie. Er wird bald kommen und dann wird sie in großer Gefahr sein. Ich habe es nicht mehr, aber er glaubt immer noch, dass ich es besitze. Wenn er das herausfindet … Bitte!“, flehte sie.
Der Mann erstarrte für einen kurzen Moment. Sein Kiefer mahlte, dann ballte er die Hände. „Was meinst du mit, ,Du hast es nicht mehr‘? Was hast du getan?“
„Ich habe keine Zeit, es zu erklären. Bitte, er wird bald hier sein.“ Sie drückte ihm das Baby in die Arme und die erste Träne rollte ihr über die Wange. „Du bist der Einzige, dem ich vertrauen kann.“
Er seufzte und drückte das Baby an seine Brust. „Na gut … aber was wirst du tun? Warum kommst du nicht mit mir?“
„Ich kann nicht. Er wird es erfahren. Der König erfährt immer alles. Dann wärt ihr alle in Gefahr. Bitte, sie ist alles, was ich noch habe. Ich habe ihn bereits verloren.“
„Was meinst du damit? Wo ist er?“ Seine Nasenflügel blähten sich auf. Sein Mundwinkel zuckte merklich. „Er ... er hat ihn getötet?“
Die Worte, die ihr wie ein fester Kloß im Hals stecken blieben.
Die Königin drückte dem schlafenden Baby einen leichten Kuss auf die Stirn. Mit einer Mischung aus Trauer und Wermut starrte sie es an.
„Ich liebe dich. Bitte pass auf dich auf. Lebe ein glückliches Leben“, sagte sie mit sanfter Stimme. Dann drehte die Königin sich eilig um. Wieder hob sie den Blick zum Nachthimmel. „Ich werde ihn ablenken. Geh!“
„Nein! Das kannst du nicht tun!“, rief er und packte sie am Handgelenk. „Bitte! Er wird dich einsperren!“
Die Königin riss sich los und rannte in die entgegengesetzte Richtung. „Geh! Ich vertraue dir, dass du sie beschützt! Und sag ihr, dass es mir leid tut!“
„Nein! Tu das nicht!“, schrie der Mann verzweifelt. Sie rannte in die Dunkelheit, und seine Schreie verklangen, bis sie nur noch ein Flüstern waren.
Sie kam jedoch nicht weit. Wie zu Eis erstarrt, blieb sie stehen. Ihre langen blonden Locken fielen ihr über die Schultern, als der Wind durch ihr Haar wehte.
Plötzlich schien die Zeit still zu stehen. Die Luft um sie herum spannte sich an.
Stille verwandelte sich in Angst. Angst in Verzweiflung und schließlich in Hilflosigkeit. Sie wollte sich gerade umdrehen, hielt jedoch inne, als sie spürte, dass jemand – oder etwas – hinter ihr stand. Ein eisiger Schauer lief ihr über den Rücken.
Die Königin drehte den Kopf zur Seite. Blitzartig packten raue Finger grob ihr Kinn. Ein warmer Atem streifte ihr Ohr, als ein Fremder seinen Kopf senkte und seine Lippen sanft ihre Wange streiften.
„Wo willst du denn hin? Ich habe dich vermisst und mir Sorgen gemacht. Ich dachte, die Flammen hätten dir das Leben genommen.“
Ihre Lippen bebten. Sie schluckte schwer.
„Mein, mein ... König. Ich hatte nie vor, vor Euch zu fliehen. Die Flammen haben mich erschreckt. Ich ... ich wollte Euch nicht beunruhigen.“ Die Lügen hinterließen einen faden Beigeschmack auf ihrer Zunge.
„Ssh ... Ich weiß, mein Liebling“, flüsterte er, während seine Hand langsam an ihrer Brust entlang glitt. Seine andere Hand ließ von ihrem Kiefer ab. Dann griff er nach ihrem Arm.
Sie zuckte zusammen, als er seinen Griff verstärkte, aber sie wusste, dass dieser Schmerz nichts im Vergleich zu dem war, was noch kommen würde.
„Bitte, Ihr tut mir weh“, sagte sie mit zittriger Stimme, während Tränen über ihre Wangen liefen.
Überrascht von ihren Worten lockerte der König seinen Griff. Langsam trat er zurück. Mondlicht schien auf seinem Körper herab und schärfte seine Gesichtszüge wie die Klinge eines Messers. Dunkelheit umgab ihn und ließ ihn noch einschüchternder wirken.
Sie ließ den Blick über seine große Statur schweifen. Starke Arme spannten sich unter seinem halb zugeknöpften weißen Hemd und enthüllten gebräunte Haut sowie eine muskulöse Brust. Sein kurzes schwarzes Haar fiel in leichten Locken hinter seine spitzen Ohren und betonte seine hohen Wangenknochen.
Seine geschwungenen Lippen verzogen sich zu einem verschmitzten Grinsen, seine elektrisierend blauen Augen musterten sie.
Der König war in der Tat gutaussehend und einschüchternd – ein verführerischer Teufel, getarnt als Fae. Doch die Wahrheit lag in seinem Auftreten: Er war der gefährlichste Mann in diesem Reich und sein Ruf eilte ihm voraus.
Er packte wieder ihr Handgelenk. Zog sie nah an sich heran. Dann presste er seine Lippen in einem stürmischen Kuss auf ihre.
Mit weit geöffneten Augen starrte sie ihn an. Säure stieg ihr die Kehle hoch. Sie hätte sich am liebsten übergeben.
Der König stöhnte, während seine Zunge mit ihrer spielte und seine Hand sich in ihrem Haaren verfing.
Tränen flossen ihre Wangen herab und vermischten sich mit dem Speichel ihres Kusses. Der Zwang, ihn küssen zu müssen, war kaum auszuhalten und erfüllte sie mit einem tiefen Unbehagen. Es fühlte sich so falsch an.
Langsam löste der König den Kuss. Mit lustvollem Blick starrte er sie an.
„Komm, mein Liebling. Komm mit mir und gib mir, was ich begehre. Ich verspreche dir, dass dir niemals etwas zustoßen wird.“
Sie schluckte schwer und trat vorsichtig einen Schritt zurück. Ein aufgesetztes Lächeln lag auf ihren Lippen. In ihr tobte ein Sturm, der wie dunkle Wolken über dem Ozean heranzog und das Meer in Aufruhr versetzte.
Frustriert über die Lügen, die er so mühelos erzählte, wandte sie sich von ihm ab.
„Ich ... ich kann nicht. Du wirst mich einsperren“, erwiderte sie mit zittriger Stimme.
Der König schüttelte den Kopf und streckte die Hand nach ihr aus, senkte sie aber nach einem kurzen Moment wieder, als die Königin ihre Arme vor der Brust verschränkte.
„Das werde ich nicht. Ich verspreche es dir. Ich will nur dich und natürlich die Macht, die du besitzt. Du kannst dich mir widersetzen so viel du willst… aber du wirst mir gehören“, sagte er beschwichtigend.
Mit zusammengepressten Lippen ballte die Königin ihre Hände zu Fäusten.
„Ich glaube dir nicht“, zischte sie. Rohe Wut und Verzweiflung überkamen sie, als die Erkenntnis sie wie einen Schlag in die Magengrube traf.
Es gab keinen Ausweg.
Dieser Mann war ihr Verderben, dem sie nicht entkommen konnte. Der Tod, getarnt unter einem Mantel aus Gier und Macht, geformt in der Gestalt eines Fae und sie wäre verdammt, wenn sie nicht versuchen würde, ihn aufzuhalten.
„Du wirst meine Magie nicht bekommen. Aber wir werden zusammen sein ... im Reich des Todes!“
Ein plötzliches Grollen erschütterte die Erde. Seine Augen weiteten sich vor Schreck und er wurde blass um die Nase. Zu ihren Füßen spaltete sich der Boden auf. Dicke Ranken stiegen empor und umschlangen sie wie ein Kokon. Nur eine kleine Lücke blieb, sodass sie dem Blick des Königs weiter begegnen konnte.
„Nein, was tust du da?“, schrie der Mann wutentbrannt, doch der verzweifelte Unterton in seiner Stimme entging ihr dabei nicht. Eilig rannte er auf sie zu.
Die Königin starrte ihn finster an, dunkle Schatten lagen unter ihren Augen, als ihre Magie an ihrem Körper zerrte. „Ich werde dich aufhalten! Du kannst es nicht haben. Es wird niemals dir gehören. Und ich werde niemals dir gehören!“ Ihr ganzer Körper schmerzte.
Sie griff tief nach der verborgenen Magie, die ihren Körper durchströmte. Auch wenn es ihre gesamte Lebenskraft kosten würde – sie war bereit, diesen Preis zu zahlen, wenn ihr Kind dadurch in Sicherheit war.
Ein helles, blaues Licht strahlte aus ihrem Körper. Schmerz durchzuckte sie, während die Kraft in ihr weiter anstieg. Heiß und qualvoll. Doch sie hielt die Magie weiter zurück. Noch konnte sie sie nicht freilassen.
Sie musste noch einen kleinen Moment länger durchhalten.
Ein qualvoller Schrei entkam ihren Lippen, da die Magie brennend durch ihre Adern floss. Ihr Herz hämmerte wild gegen ihre Brust.
Plötzlich schoss die Hand des Mannes durch die Ranken hindurch und umfasste ihr Handgelenk. Wut und Verzweiflung standen ihm ins Gesicht geschrieben. Ein lautes Knurren entkam ihm, als er sie krampfhaft aus ihrem Schild aus Ranken und Dornen zu ziehen versuchte.
Die Königin schüttelte den Kopf.
„Nein, fass mich nicht an!“
Die Augen des Königs weiteten sich.
„Du wirst dich umbringen! Hör sofort damit auf!“, flehte er und festigte den Griff. „Bitte, ich flehe dich an!“
„Du hast mir alles genommen!“ Sie schlang ihre Arme um ihren Körper, der sich anspannte.
„Was hast du –“
Blaues Licht explodierte und erschütterte die Erde um sie herum. Es traf den König direkt in den Brustkorb. Er schleuderte nach hinten und schlug hart mit dem Rücken auf dem Boden auf.
Stöhnend umklammerte der Mann seine Brust. Langsam stand er auf. Ein scharfer Schmerz durchzuckte seinen Körper. Sein Kopf schmerzte, als hätte man einen Speer in seinen Schädel gerammt. Sein weißes Hemd war blutgetränkt.
Eilig riss der König den Stoff auf und starrte auf eine verbrannte Wunde direkt über seinem Herzen.
Er schnappte nach Luft und schaute zu der Stelle, an der die Königin gerade noch gestanden hatte. Blauer Rauch stieg aus dem Boden auf, das Gras war schwarz. Ihr Körper war verschwunden und zu Asche verbrannt.
Mit zusammengebissenen Zähnen starrte er auf das schwarze Gras. Hätte er seine Magie nicht rechtzeitig beschworen, hätte ihn das gleiche Schicksal ereilt.
Vorsichtig untersuchte der König die verbrannte Stelle und suchte nach dem, weswegen er gekommen war, aber er fand dort nichts außer Asche.
Sein Blick schweifte weiter zu dem blauen Rauch, der sich allmählich auflöste. Da entdeckte er etwas Glitzerndes: eine kleine goldene Brosche mit einem Rubin.
Der König hob sie auf und strich mit dem Daumen sanft über den Edelstein. Er drehte die Brosche um und las die eingravierte Inschrift: Für die Sonne und den Mond, denn ich gehöre für immer dir.
Ein trauriges Lächeln lag auf seinen Lippen und er strich mit seinem Zeigefinger sanft über die eingravierten Worte. Von Reue und Verzweiflung erfüllt, sank er auf die Knie und schrie, bis nichts als Leere seinen Körper durchströmte.
Die Macht, nach der er sich gesehnt hatte, war für immer verloren – ihr Verlust würde seine Pläne um Jahre zurückwerfen. Aber er wagte es nicht, auch nur einen Moment daran zu verschwenden. Stattdessen griff er nach seinen Erinnerungen an die Königin und brannte sich ihr Gesicht ein letztes Mal in seine Gedanken.
Die Königin hatte gedacht, er begehrte nur ihre Kräfte. Aber in Wahrheit war alles, was er jemals wollte, nur sie...